Die Verschlechterung der öffentlichen Haushaltslage und Probleme bei der Transparenz unterwandern die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung in Subsahara-Afrika.

Auf einen Blick:

  • Der jüngste Schuldenanstieg hat zu den höchsten Schuldenquoten seit Gewährung der Schuldenerleichterungen geführt.
  • Die Exporteinnahmen sind deutlich langsamer gewachsen als die Auslandsschulden, was Fragen nach der Rückzahlungsfähigkeit aufwirft.
  • In zahlreichen Ländern bildet der Mangel an Haushaltsdisziplin und solider öffentlicher Finanzverwaltung die Hauptursache der aufgeblähten Staatsverschuldung.
  • Staatliche Kreditaufnahmen erfolgen in Subsahara-Afrika vermehrt zu nicht-konzessionären Bedingungen.
  • Mit dem gewonnenen Zugang zu den internationalen Finanzmärkten sind zahlreiche Länder des Subsahara-Raums heute anfällig für Marktschwankungen und Schocks.
  • Eine beispiellose Verschuldung in ausländischer Währung macht Länder anfällig für Wechselkursrisiken.
  • Immer häufiger sind bilaterale Gläubiger keine Mitglieder des Pariser Clubs (insbesondere China). 
  • Schuldenstrukturen zeichnen sich durch eine zunehmende Komplexität aus, was Fragen nach der Transparenz aufwirft.

Einführung

Während in den vergangenen zehn Jahren in sämtlichen Regionen ein Anstieg der öffentlichen Schuldenstände beobachtet werden konnte, war die Zunahme im Subsahara-Raum sowie im Nahen Osten besonders gravierend. Die vorliegende Ausgabe von Risk Insight beleuchtet die Ursachen für den schnellen Schuldenanstieg in Subsahara-Afrika und zeigt die potenziellen Folgerisiken auf.

Der Anstieg der öffentlichen Schuldenstände in Subsahara-Afrika ist eine Konsequenz anschwellender Haushaltsdefizite, die zu einem Anstieg der In- und Auslandsverschuldung führen. Der schnellste Anstieg ist dabei unter den afrikanischen Erdölexporteuren zu verzeichnen. Das Verhältnis der gesamtstaatlichen Verschuldung zum BIP ist in der Region von 32,2 % Ende 2014 auf geschätzte 45 % Ende 2017 angewachsen (d. h. um nahezu 40 %). Gemessen an westlichen Standards mögen diese Werte wenig besorgniserregend erscheinen, doch die Zinsen für staatliche Kredite liegen in Subsahara-Afrika erheblich höher und die Kapazitäten zur Steuererhebung sind deutlich geringer. Folglich stellt ein höherer Verschuldungsgrad für diese Länder ein schwerwiegenderes Problem dar. Einige Aspekte des Schuldenanstiegs der letzten Jahre sind darüber hinaus als besonders bedenklich zu bewerten. Erstens hat die jüngste Akkumulation von Staatsschulden zu den höchsten Schuldenquoten geführt seit Gewährung erheblicher Schuldenerleichterungen im Rahmen der HIPC-Initiative (Highly Indebted Poor Countries – Hochverschuldete arme Länder), der Multilateralen Entschuldungsinitiative (Multilateral Debt Relief Initiative – MDRI), sowie einiger bilateraler Entschuldungs-programme. Zweitens erfolgen staatliche Kreditaufnahmen in Subsahara-Afrika zunehmend zu nicht-konzessionären (d. h. zu marktüblichen) Bedingungen. Drittens macht eine beispiellose Verschuldung in ausländischer Währung die Länder anfällig für Wechselkursrisiken. Viertens sind die Auslandsschulden stark gestiegen, während die Exporteinnahmen ein deutlich langsameres Wachstum aufweisen, was Fragen nach der Rückzahlungskapazität der Länder aufwirft. Abschließend geht der derzeitige Schuldenanstieg mit erheblichen Transparenzmängeln einher.

Verschlechterung der öffentlichen Haushaltslage

Der Anstieg der Staatsverschuldung in Subsahara-Afrika ist die Folge der angeschwollenen, strukturellen Haushalsdefizite. Während zwischen 2011 und 2013 lediglich fünf Länder in der Region ein jährliches Haushaltsdefizit von über 5 % des BIP aufwiesen, überschritten im Zeitraum 2014-16 mehr als zwölf Länder diese Marke. 2016 hatten insgesamt 23 von 48 Ländern in der Region ein Haushaltsdefizit von über 5 %. Dieser Anstieg hat drei Hauptursachen. Auf der Ausgabenseite wurden in mehreren Ländern umfangreiche Investitionsprogramme durchgeführt. Auf der Einnahmenseite wurden diverse Länder vom Verfall der Rohstoffpreise getroffen. Insbesondere die Regierungen Erdöl- exportierender Länder mussten einen deutlichen Rückgang ihrer Steuereinnahmen hinnehmen, die meisten dieser Staaten hatten aber zu Zeiten des Ölbooms keine hinreichenden Rückstellungen gebildet, um diesem Schock die Stirn bieten zu können. Darüber hinaus kommt es in mehreren Ländern zu finanzpolitischen Fehlentwicklungen aufgrund von unzulänglicher öffentlicher Finanzverwaltung.
Es gibt drei weitere Faktoren, die zur Verschärfung des Schuldenanstiegs beigetragen haben. Erstens ist die Auslandsverschuldung mehrerer Länder aufgrund der Bewertungseffekte im Zusammenhang mit Währungsabwertungen angestiegen. Zweitens sind die Finanzierungskosten einiger Länder gestiegen, was zu höheren Zinszahlungen geführt hat. Drittens haben einige Zentralregierungen die von Staatsunternehmen eingegangenen Verbindlichkeiten übernommen.

Anstieg der Auslandsverschuldung hauptsächlich auf staatliche Kreditaufnahmen zurückzuführen

Zahlreiche Länder haben sich von der oftmals teureren Inlandsverschuldung schrittweise abgewandt und stattdessen auf externe Finanzierung gesetzt, was den Trend der steigenden Auslandsverschuldung erklärt.  Grafik 1 zeigt den gesamten, nominalen Anstieg der Auslandsverschuldung in den letzten Jahren je Einkommensgruppe. Sie illustriert, wie die Gesamtauslandsverschuldung zwischen 2004 und 2006 infolge der Entschuldungsinitiativen zurückgegangen ist und sich seit 2006 in sämtlichen Einkommensgruppe wieder im Aufwärtstrend befindet. Die Auslandsverschuldung hat jedoch nicht nur nominal zugenommen: Der Median des Verhältnisses der Auslandsverschuldung zum BIP ist in Subsahara-Afrika von 22,8 % des BIP im Jahr 2007 auf 41,2 % des BIP Ende 2016 angestiegen.

Dies zeigt sehr deutlich, dass das BIP-Wachstum nicht länger mit dem Anstieg der Auslandsverschuldung Schritt halten kann. Grafik 1 zeigt weiterhin, dass der Anstieg der Auslandsverschuldung zwar vorwiegend auf staatliche Kreditaufnahmen zurückzuführen ist, jedoch auch durch mehr Kreditaufnahmen aus dem Privatsektor bedingt wird. Dieser Trend zeichnet sich besonders bei Ländern mit hohem mittlerem Einkommen, sowie in geringerem Maß bei Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen ab. Bei den Ländern mit hohem mittlerem Einkommen wurde außerdem der stärkste Anstieg der kurzfristigen Verschuldung festgestellt.

Verhältnis Auslandsverschuldung zu Leistungsbilanzeinnahmen verschlechtert sich

Während die Auslandsverschuldung der Subsahara-Staaten in jüngerer Zeit angetiegen ist, sind die Leistungsbilanzeinnahmen der meisten Länder seit 2014 zurückgegangen. Grafik 2 verdeutlicht, dass die Auslandsverschuldung des gesamten Subsahara-Raums die Exporteinnahmen seit 2015 nominal übersteigt (erstmalig seit 2004). Da die meisten Staaten dieser Region nach wie vor vom Rohstoffexport abhängig sind, ist der bis heute anhaltende Rückgang der Einnahmen aus Waren- und Dienstleistungsausfuhren hauptsächlich auf den Absturz der Rohstoffpreise im Jahr 2014 zurückzuführen. In Staaten, die keine Rohstoffe ausführen, sind die Exporteinnahmen seit 2013 nur langsam gestiegen. Infolgedessen ist die aggregierte Auslandsverschuldung der Region gegenüber den Exporten von lediglich 64 % im Jahr 2011 auf 137 % Ende 2016 angeschwollen (ausg. Länder mit hohem Einkommen). Auch in der Analyse der Anzahl der Länder in der Region, bei denen das Verhältnis Auslandsverschuldung zu Exporteinnahmen 150 % überschreitet, wird dieser Trend sichtbar. Während 2012 neun Länder über dieser Marke lagen, ist der Wert bis 2016 auf zwanzig Länder gestiegen. Darüber hinaus gibt es in der Region derzeit bereits dreizehn Länder, bei denen das genannte Verhältnis den hohen Wert von 200 % überschreitet (wobei zehn dieser Länder HIPC-Schuldenerleichterungen erhielten).
Das Verhältnis Auslandsverschuldung zu Exporteinnahmen ist eine wichtige Variable für die Bestimmung der Schuldentragfähigkeit, da die Tilgung von Auslandsschulden bei zu geringen Leistungsbilanzeinnahmen schwierig wird.
Dieses Problem ist eng mit einem der Hauptgründe der hohen Staatsverschuldung verknüpft: dem Ziel der afrikanischen Länder, Infrastrukturmängel zu beheben. Da diese Mängel die Entwicklung behindern und die Exportkapazität einschränken, zielen Investitionen häufig auf die langfristige Stärkung des Exports ab. Umfangreiche öffentliche Investitionsvorhaben können jedoch zu einer untragbaren Akkumulation von Staatsschulden führen, wenn politische Maßnahmen und Entscheidungen über Kreditaufnahmen unüberlegt getroffen werden. Öffentliche Großprojekte, die durch zu ungünstigen Bedingungen aufgenommene Kredite finanziert werden (hohe Zinsen, kurze Laufzeiten, durch werthaltige Sicherheiten gedeckt), können einen destabilisierenden Einfluss auf den Haushalt eines Landes darstellen. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass Projekte mit einer schwachen Kapitalrendite gewählt werden, etwa die Erweiterung von Häfen oder Schienennetzen. Solche Investitionen führen nicht automatisch zu einer Exportsteigerung. Dies ist zum Beispiel in Kenia der Fall, dessen Auslandsverschuldung bereits seit mehreren Jahren steigt, doch seit 2013 eine besonders schnelle Zunahme verzeichnet. Gleichzeitig hat das Land seit 2013 mit einer Stagnation der Leistungsbilanzeinnahmen zu kämpfen. Dies hat die Bruttoauslandsverschuldung im Verhältnis zu den Leistungsbilanzeinnahmen in die Höhe schnellen lassen: von 110 % im Jahr 2013 auf über 200 % Ende 2016. Länder wie Äthiopien, Uganda, Kamerun, Mosambik und Ruanda weisen eine ähnliche Entwicklung auf.

Finanzpolitische Fehlentwicklungen

In diversen Staaten Subsahara-Afrikas kann die aufgeblähte Staatsverschuldung auf mangelnde Haushaltsdisziplin zurückgeführt werden. So hat Ghana in den vergangenen zehn Jahren ein relativ umfangreiches Primärdefizit akkumuliert, das in Wahlkampfjahren zusätzlich anschwoll. 2008, 2012 und 2016 gingen die Präsidentschaftswahlen mit finanzpolitischen Fehlentwicklungen und übermäßigen Ausgaben einher, die zu erheblichen Haushaltslöchern und ungünstigen Schuldtitelemissionen führten. Infolge dieser schwachen Finanzdisziplin (in Verbindung mit dem Rohstoffpreisverfall und Investitionsstaus) steht der ghanaische Haushalt seit Jahren massiv unter Druck.
In zahlreichen afrikanischen Ländern führt das Fehlen einer klaren wirtschaftspolitischen Linie und einer zuverlässigen (und transparenten) öffentlichen Finanzverwaltung zu zusätzlicher Ungewissheit, während (sicherheits-)politische Fragen ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Steigende Belastung durch öffentliche Zinszahlungen

Die gestiegene Belastung durch Zinszahlungen spiegelt sich in der zunehmenden Anzahl Länder wider, die über 15 % ihrer Staatseinnahmen für Zinszahlungen aufbringen müssen. So beanspruchten öffentliche Zinszahlungen in Ghana und Nigeria 2016 jeweils 40 % bzw. 24 % der gesamtstaatlichen Einnahmen. Das extreme Verhältnis zwischen Zinszahlungen und Staatseinnahmen illustriert, dass die Verwaltungskapazitäten sowie die Kapazitäten zur Steuererhebung in der Region grundsätzlich unterentwickelt sind.

Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten

Im Nachgang der Finanzkrise waren global operierende private Investoren vor dem Hintergrund des internationalen Niedrigzinsumfelds auf der Suche nach höheren Ertragsmöglichkeiten. Folglich stieg die Attraktivität risikoreicherer Anlageformen. Gleichzeitig hatten afrikanische Regierungen großes Interesse daran, durch den Zugang zu internationalen Schuldenmärkten ihre öffentlichen Investitionen zu erhöhen. Auf der einen Seite hat sich die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen dadurch vergünstigt, während andererseits die Anfälligkeit für die Volatilität der Finanzmärkte und Veränderungen der Risikoaversion gestiegen ist. Tatsächlich haben insgesamt 16 Staaten des Subsahara-Raums ausstehende Eurobonds, etwa die Republik Kongo, Senegal, Ruanda, Mosambik, Kenia und Sambia. Die Rendite dieser Eurobonds liegt bei durchschnittlich 9 %. Trotz der Probleme, mit denen diese afrikanischen Länder zu kämpfen haben (niedrige Rohstoffpreise, Liquiditätsengpässe und in einigen Fällen politische Spannungen), werden Investoren von den hohen Erträgen unverändert angezogen. In Verbindung mit der in den kommenden Jahren zu erwartenden weltweiten Zinssteigerung könnte diese Situation zur Folge haben, dass die privaten Investoren ihr Kapital plötzlich abziehen oder höhere Zinssätze fordern. Dies würde die Refinanzierung deutlich erschweren und die Regierungen mit einem erheblichen Refinanzierungsrisiko konfrontieren.

Wechselkursrisiko zeichnet sich ab

Länder, die große Mengen auf Fremdwährung lautender Schulden halten, sind Währungsschwankungen ausgesetzt.  So erhöht die Abwertung einer lokalen Währung den realen Wert und damit die Belastung der in Fremdwährung lautenden Schulden. Dieses Problem trat z. B. 2014 in Ghana auf, als die Abwertung des Cedi zu einer 10-prozentigen Steigerung der Auslandsschulden ggü. dem BIP führte. 2015 kam es in Sambia zu einem ähnlichen Vorfall: Der sambische Kwacha verlor an Wert und die Auslandsverschuldung stieg ggü. dem BIP um nahezu 10 %. Die Fremdwährungsbestände verschiedener Staaten Subsahara-Afrikas stehen derzeit zunehmend unter Druck. In Ländern mit einem festen Wechselkurssystem steigt hierdurch die Gefahr einer möglichen Abwertung (z. B. in der CFA-Franc-Zone). Angola wertete den Kwanza im Januar 2018 ab, und auch der nigerianische Naira wurde Mitte 2016 und Mitte 2017 infolge des hohen Liquiditätsdrucks abgewertet. Niedrige Fremdwährungsbestände (aufgrund höherer Leistungsbilanzdefizite in der Region) könnten künftig weitere Abwertungsmaßnahmen auslösen, was die Auslandsverschuldung im Subsahara-Raum zusätzlich in die Höhe treiben würde. 

Veränderung des Gläubigerprofils

In Subsahara-Afrika werden staatliche Kreditaufnahmen bis heute von multi- und bilateralen Gläubigern dominiert und erfolgen überwiegend zu Vorzugsbedingungen. Gleichzeitig hat die Fremdfinanzierung über Anleihen, Geschäftsbankdarlehen und andere private Gläubiger in den vergangenen Jahren zugenommen. Während diese drei Formen der Kreditaufnahme über private Gläubiger 2007 nur etwa 10 % der Gesamtkreditaufnahmen ausmachte, ist der Anteil bis Ende 2016 auf rund 23 % gestiegen (s. Grafik 4). Der Anteil der Schulden bei multilateralen Organisationen überwiegt unverändert. Dennoch sollte berücksichtigt werden, dass die Aktivitäten verschiedener nichttraditioneller multilateraler Organisationen (z. B. der Islamischen Entwicklungsbank und der New Development Bank, der BRICS-Staaten) erheblich zugenommen haben.

Auch das Profil der bilateralen Gläubiger hat sich gewandelt. So ist der Anteil der Kreditaufnahme bei traditionellen Mitgliedern des Pariser Clubs zurückgegangen, während seit 2000 neue staatliche Kreditgeber hinzugekommen sind, allen voran China. Auch der Anteil von Ländern wie Indien, Saudi-Arabien und Kuwait ist beträchtlich gestiegen. Die massiven Aktivitäten Chinas auf dem afrikanischen Kontinent, die sich etwa in enormen (Direkt-)Investitionen und intensiven Handelsbeziehungen zu Rohstoffexporteuren (von Eisenerz, Öl, Kupfer u. Ä.) äußern, gehen mit der großen finanziellen Abhängigkeit der Region von chinesischen Darlehen einher. Andererseits waren Mitglieder des Pariser Club im Nachgang der Finanzkrise nur bedingt in der Lage und bereit, der Region Kredite zu gewähren.  Ein weiteres Element ist das Bekenntnis der Pariser-Club-Länder zu den Grundsätzen und Leitlinien der OECD zur Förderung nachhaltiger Kreditvergabepraktiken („OECD Principles and Guidelines to Promote Sustainable Lending Practices in the Provision of Official Export Credits to Low Income Countries“) entsprechend den von IWF und Weltbank festgelegten Schuldengrenzen, mit denen eine vertretbare öffentliche Kreditaufnahme durch Länder mit niedrigem Einkommen unterstützt werden soll. Es ist ungewiss, ob nichttraditionelle Gläubiger wie China derartige Leitlinien befolgen. Dies könnte den Weg ebnen für weniger transparente und gesicherte Kreditaufnahmen durch Länder mit niedrigem Einkommen.

Weniger Transparenz in der Struktur der öffentlichen Verschuldung

Die Schuldenstruktur afrikanischer Regierungen wird komplexer. Wie bereits erläutert, ist dies einerseits auf die steigende Anzahl an Kreditaufnahmen zurückzuführen, die nicht über Mitglieder des Pariser Clubs erfolgen. Andererseits greifen afrikanische Staaten zunehmend auf komplexe Schuldenstrukturen zurück wie z. B. besicherte Darlehen, von Handelsunternehmen vergebene Darlehen, Anleihen, öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) und Darlehen, die von öffentlichen Stellen mit staatlicher Garantie aufgenommen werden. Wenn ein Vorhaben scheitert, können solche Modelle für die betreffenden Regierungen zu einer großen Belastung werden. Die präzise und eingehende Erfassung der schuldentechnischen Merkmale eines Landes wird aufgrund steigender Komplexität zunehmend problematisch. Des Weiteren stellt die mangelnde Transparenz der Staatsverschuldung in verschiedenen Ländern des Subsahara-Raums nach wie vor eine Schwierigkeit dar. Häufig beschränkt sich der Haushalt auf die Zentralregierung und umfasst dabei nicht die lokalen Regierungsebenen, staatliche Garantien und öffentliche Unternehmen außerhalb des Finanzsektors. Wie oben illustriert, stellt die zunehmende Verschuldung auf dem privaten Markt (Eurobonds) ein weiteres Problemfeld dar.

Ein Rückgang der Schuldentransparenz erhöht die Gefahr, dass sich die Finanzlage eines Landes durch ans Licht kommende Schuldenskandale als schlechter erweist als zuvor angenommen. Heute befinden sich zwei afrikanische Länder nach der Aufdeckung versteckter Staatsschulden in einer Schuldenkrise: Die Republik Kongo und Mosambik.

Zwei Ländergruppen im Fokus

  • Schuldenanstieg in Post-HIPC-Ländern

Im Rahmen der 1996 beschlossenen HIPC-Initiative („hochverschuldete arme Länder“) wurde 36 Ländern mit einem nicht tragbaren Schuldenniveau ein Schuldenerlass gewährt. Darüber hinaus gibt es drei Länder, die grundsätzlich Anspruch auf Entschuldung haben, derzeit jedoch nicht alle Kriterien zur Erreichung des sog. „Entscheidungspunkts“ erfüllen. Zusätzlich zur HIPC-Initiative erhielten 29 Länder eine Schuldenerleichterung im Rahmen der Multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI). Dies betraf Länder, die den HIPC-„Vollendungspunkt“ erreicht hatten (oder noch erreichen würden) und erhebliche Schulden bei der Internationalen Entwicklungsorganisation der Weltbank, dem IWF und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds hatten. In diesem Rahmen wurden die bei diesen Einrichtungen verbliebenen Schulden zu 100 % erlassen.

Seit der Entschuldung sind die Staatsschulden und die Gefahren untragfähiger Schulden erneut angestiegen. Post-HIPC-Länder wie Tschad, Gambia, die Republik Kongo und Mosambik weisen heute wieder eine übermäßig hohe Verschuldung auf. Des Weiteren haben sich die Verschuldungsindikatoren von Ländern wie Kamerun, Ghana, Mauretanien und Sambia in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert.
 

Grafik 5 zeigt die Entwicklung der Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP für einige der 29 HIPC-Länder Subsahara-Afrikas, zwischen dem Ende der Entschuldungsinitiativen und dem Jahr 2016. Für mehrere Länder ist diese Quote von 20-30 % auf über 40 % des BIP gestiegen, während etliche Länder einen noch drastischeren Anstieg aufweisen. Tatsächlich ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP in den Post-HIPC-Ländern von durchschnittlich 29 % des BIP nach der Vollendung der Entschuldungsinitiative auf 47,8 % im Jahr 2016 angestiegen. Bis 2018 wird ein weiterer Anstieg auf 52 % erwartet.

  • Die Haupterdölexporteure des Subsahara-Raums

Der Ölpreis ist seit Mitte 2014 dramatisch gefallen, und auch wenn er sich 2017 leicht erholt hat, wird er Erwartungen zufolge weiterhin deutlich unter dem Stand von vor 2014 verbleiben. Laut Ölpreisprognosen des IWF wird der Barrelpreis in den kommenden Jahren bei rund 54 USD liegen. Afrikanische Ölexporteure mussten aufgrund der hohen finanziellen Abhängigkeit von Öleinnahmen einen Einbruch ihrer Staatseinnahmen hinnehmen. Die Reaktionen auf den Schock waren vielfältig. Während Angola seine Ausgaben drastisch gedrosselt und damit einen schmerzlichen Wirtschaftsabschwung verursacht hat, haben Nigeria und die Republik Kongo ihre Staatsausgaben in der Absicht erhöht, der Krise mit Investitionen zu entkommen. Die meisten dieser Länder haben schwache (Steuer-) Behörden und neben Erdöl kaum alternative Einnahmequellen. Somit akkumulieren die afrikanischen Ölexporteure umfangreiche Haushaltsdefizite und damit hohe Staatsschulden (die sowohl extern als auch auf dem heimischen Markt finanziert werden). Infolgedessen hat sich die gesamtstaatliche Bruttoverschuldung im Vergleich zum BIP seit Ende 2013 verdreifacht. Anstrengungen zur Verbesserung der Haushaltstransparenz und politischen Effizienz sind dringend erforderlich, damit die afrikanischen Ölexporteure den Schuldenanstieg umkehren und das Vertrauen der Märkte wiedererlangen können. 

Fazit

In den vergangenen Jahren ist die Verschuldung in mehreren Ländern Subsahara-Afrikas in starkem Tempo gewachsen. Doch während die Verschuldung in manchen Staaten ein nahezu untragbares Niveau erreicht hat, handelt es sich nicht notgedrungen um ein gesamtafrikanisches Problem.  Gleichwohl sind einige Aspekte des Schuldenanstiegs besorgniserregend. Erstens könnte der Mangel an Transparenz die Erfassung länderspezifischer Schuldenindikatoren erschweren. Dies erhöht die Gefahr böser Überraschungen bezüglich der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen (wie jüngst in der Republik Kongo). Zweitens erhöhen nicht-konzessionäre Kreditaufnahmen durch afrikanische Regierungen die Finanzierungskosten und führen zu einem erheblichen Refinanzierungsrisiko. Drittens machen Kredite in Fremdwährung Länder anfällig für Währungsschwankungen. Dies erhöht die Gefahr, dass die Auslandsverschuldung bei Verfall oder Abwertung der Währung plötzlich in die Höhe schnellt. Daher ist es entscheidend, dass die Regierungen der Subsahara-Staaten ein Gleichgewicht zwischen Investitionsbedarf und solider Finanzverwaltung finden. Politiker der Region sehen sich massiven (öffentlichen) Forderungen nach Entwicklung und Investitionen ausgesetzt, doch gleichzeitig müssen staatliche Investitionen sorgfältig geprüft werden, um eine neuerliche Schuldenkrise zu verhindern.

Analysten: Louise Van Cauwenbergh – l.vancauwenbergh@credendo.com / Jan-Pieter Laleman – j.laleman@credendo.com