Risikofaktoren und Ausblick

Seit dem Amtsantritt von Präsident Al-Sisi vor zwei Jahren hat sich die politische Ordnung im Land stabilisiert. Die Wirtschaft konnte hiervon allerdings nicht profitieren. Vielmehr haben Unterdrückung, Terroranschläge und die schlechte makroökonomische Politik dramatische Auswirkungen auf den Tourismus, der eine der wichtigsten Deviseneinnahmequellen darstellt. Auch in Bezug auf Währungsreserven, Leistungsbilanz, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit hat sich die Lage erheblich verschlechtert. Darüber hinaus haben kostspielige Megaprojekte das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung in die Höhe getrieben und damit die öffentliche Finanzlage extrem verschärft. Anfänglich konnte Ägypten noch auf Hilfsgelder aus den Golfstaaten zählen, doch mit dem Absturz des Ölpreises versiegte diese Einnahmequelle. Die Verschlechterung der Wirtschaftslage dauert an und äußert sich in Devisenknappheit und Versorgungsmangel mit wichtigen Verbrauchsgütern.

Sofortige Reformen waren notwendig. Diese lassen langfristig auf wirtschaftliche Erholung hoffen, haben kurzfristig jedoch schmerzliche Folgen und könnten weit verbreitete Unzufriedenheit auslösen. Doch auch die schwächelnde Wirtschaft schürt soziale Unruhen. Das Land war in eine Zwickmühle geraten, und suchte den Kontakt zu multilateralen Organisationen. Zur Sicherstellung eines IWF-Kredits mussten jedoch Maßnahmen getroffen werden: Der Wechselkurs des ägyptischen Pfundes wurde freigegeben, was eine Abwertung um 50 % bewirkte, und Kraftstoffsubventionen wurden gekürzt, was zu einer Preiserhöhung von 47 % führte. In diesem komplexen Kontext wird der unlängst gewährte IWF-Kredit die Liquidität unterstützen, während bereits durchgesetzte sowie angekündigte Reformen zur Erholung der Wirtschaft beitragen werden. Dennoch sind politische Risiken in einem Land, in dem innerhalb der vergangenen fünf Jahre zwei Präsidenten gestürzt wurden, allgegenwärtig. Aus diesem Grund, und auch weil sich die mittel- bis langfristige Auslandsverschuldung im Aufwärtstrend befindet, wird Ägyptens kurz- und langfristiges politisches Risiko in Kategorie 5 bzw. 6 auf einer Skala von 1 (bester Wert) bis 7 (schlechtester Wert) eingestuft.

Vor dem Hintergrund des schwierigen Geschäftsklimas (hoher Verwaltungsaufwand, knappes Kreditangebot, schlechte Infrastruktur, steigende Kreditzinsen, Währungsabwertung sowie eine Inflation im zweistelligen Bereich) bleibt das Geschäftsrisiko hoch. Folglich ordnet die Credendo Group das Geschäftsrisiko in die unterste Kategorie C ein.

Fakten & Kennzahlen

Pro

  • Relativ niedriger Schuldendienst trotz steigender Auslandsverschuldung
  • Relativ gute Beziehungen zu externen Geldgebern
  • Verbesserung der makroökonomischen Politik (wenn auch aus schwacher Ausgangslage)
  • Wechselkursschwankungen möglich

Kontra

  • Niedrige externe Liquidität
  • Schwieriges Geschäftsumfeld
  • Verheerende öffentliche Finanzlage
  • Steigende Gefahr sozialer Unruhen

Staatsoberhaupt

  • Präsident Abdel Fattah Al-Sisi (seit dem 8. Juni 2014)

Regierungschef

  • Premierminister Sherif Ismail (seit dem 12. September 2015)

Wahlsystem

  • Staatsoberhaupt: Wahlen alle vier Jahre; letzte Wahlen: Mai 2014
  • Parlament (Abgeordnetenhaus): Wahlen alle fünf Jahre; letzte Wahlen: 16. Dezember 2015

Bevölkerung

  • 91,5 Millionen

Pro-Kopf-Einkommen (USD)

  • 3.340 (2013)

Einkommensgruppe

  • Niedriges mittleres Einkommen

Hauptexportgüter

  • Private Transfers (36,4% der Leistungsbilanzeinnahmen), Tourismus (13,5%), Einnahmen aus dem Betrieb des Suezkanals (10,7%), Öl (16,7%)

Länderstudie

Politik wie gehabt

In den vergangenen fünf Jahren hat Ägypten radikale Umwälzungen durchlebt. 2011 lösten innenpolitische Unzufriedenheit sowie die Ereignisse in Tunesien, die zum Sturz von Präsident Zine al-Abidine Ben Ali führten, landesweite Proteste aus. Nach 18 Tagen tödlicher Unruhen übergab der seit 30 Jahren herrschende autoritäre Präsident Mubarak die Macht an die Armee. Auch wenn Massendemonstrationen danach ausblieben, kam es weiterhin zu umfangreichen Protesten gegen die Militärregierung. Die Gründung der Partei „Freiheit und Gerechtigkeit“ durch die islamistische Muslimbruderschaft und der Sieg des Kandidaten dieser Partei, Mohammed Mursi, in den ersten Präsidentschaftswahlen seit einem halben Jahrhundert führte zu einer Neuordnung der politischen Landschaft. Doch in den darauffolgenden Monaten sorgte Mursi für Kontroversen und vielen Ägyptern drängte sich die Befürchtung auf, einen weiteren autoritären Herrscher ins Amt gewählt zu haben. Auch die Verschlechterung der Sicherheits- und Wirtschaftslage verschärfte die Unruhen. Die Erbitterung entfesselte eine neue Protestwelle und nach nur wenigen Tagen erbitterter Demonstrationen gegen Mursis erstes Amtsjahr wurde der Präsident von Ägyptens Armee gestürzt. Im Januar 2014 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die das Oberhaus abschaffte. Seitdem besteht Ägyptens Legislative aus einem Parlament mit nur einer Kammer (dem Abgeordnetenhaus), das 2015 auf fünf Jahre gewählt wurde. Des Weiteren wurde Al-Sisi, ehemaliger Oberbefehlshaber der Streitkräfte, im Juni 2014 mit 97 % aller Stimmen zum Präsidenten gewählt.

Seit Al-Sisis Amtsantritt vor zwei Jahren ist das Land von größerer politischer Sicherheit geprägt, auch wenn es erneut von einem autoritären Militärregime beherrscht wird. So üben die Streit- und Sicherheitskräfte umfassenden Einfluss auf die Politik aus und kontrollieren gleichzeitig Schlüsselbereiche der Wirtschaft. Außerdem wird seit der Absetzung Mursis hart gegen die Muslimbruderschaft vorgegangen. Die Führung der Organisation sowie tausende Mitglieder wurden inhaftiert, ein Gericht verbot sämtliche Institutionen der Bruderschaft und über 100 vermeintliche Sympathisanten, einschließlich des ehemaligen Präsidenten Mursi, wurden zum Tode verurteilt. Infolgedessen kommt es nun seltener zu offenen Demonstrationen gegen die Regierung, doch gleichzeitig ist die Zahl der Terroranschläge deutlich gestiegen, da Islamisten keine anderen politischen Ausdrucksmöglichkeiten bleiben. Auch religiöse Konflikte in anderen Ländern der Region wirken sich auf die Lage in Ägypten aus. Die Terroranschläge haben verheerende Folgen für den Tourismus. So ließ sich nach dem Abschuss eines russischen Flugzeugs im November 2015 durch eine dem Islamischen Staat nahestehende lokale Gruppierung ein drastischer Rückgang der Tourismuseinnahmen verzeichnen. Hinzu kommt, dass die Unterstützung für den populären Al-Sisi nachlässt, da er außer Stande scheint, eine adäquate Antwort auf die fortdauernde wirtschaftliche Krise zu finden. Diese äußert sich insbesondere in anhaltender Arbeitslosigkeit und hoher Inflation, aber auch in einer Verschlechterung öffentlicher Dienstleistungen, zunehmender Polizeigewalt, allgegenwärtiger Korruption sowie Energie-, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit. Unruhen halten sich bisher in Grenzen, doch die wirtschaftliche Erholung dürfte eine entscheidende Voraussetzung für die politische Stabilität der kommenden Jahre darstellen.

Schwierige Freundschaften

Ägypten ist in der arabischen Welt seit jeher ein unverzichtbarer Bündnispartner, da ihm bei der Wahrung der regionalen Stabilität eine Schlüsselrolle zukommt und der Suezkanal eine wichtige Wasserstraße für den Welthandel bildet. Seit der Absetzung Präsident Mursis profitiert das Land von einer erheblichen Verbesserung der Beziehungen zu den Golfstaaten, insbesondere zu Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait. Dies ist auf die Abneigung gegen die Muslimbrüder zurückzuführen, die speziell vom Regime in Riad als ideologische Kontrahenten gesehen werden. Die Golfstaaten stellten außerdem Hilfsgelder zur Verfügung, doch die Zahlungen sind inzwischen zurückgegangen und erfolgen seit 2016 nur noch in Form von zinsgünstigen Krediten. Gründe hierfür sind der anhaltend niedrige Ölpreis, Uneinigkeit bezüglich regionalpolitischer Fragen (z. B. Syrien), sowie Frustration aufgrund der ausbleibenden Erholung der ägyptischen Wirtschaft. Besonders die Beziehungen zu Saudi-Arabien sind angespannt, was sich im Lieferstopp von monatlich 700.000 t Erdölerzeugnissen zu großzügigen Kreditbedingungen äußert. Dennoch scheinen Saudi-Arabien und andere Golfstaaten an ihren Unterstützungsbemühungen für Ägypten festzuhalten, da kürzlich Finanzhilfen in Höhe von etwa 3 Milliarden US-Dollar bereitgestellt wurden.

Auch die Beziehungen zum IWF haben sich verbessert, bleiben jedoch kompliziert. Im Januar 2015 veröffentlichte der IWF seinen ersten Artikel IV in fünf Jahren, und im Sommer traf Ägypten eine vorläufige Übereinkunft über ein IWF-Kreditprogramm in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar, die in den kommenden drei Jahren ausgezahlt werden. Die Bewilligung des Kredits durch das IWF-Exekutivdirektorium hat einige Monate in Anspruch genommen.  Eine erste Bedingung war, dass Ägypten im ersten Jahr bilaterale Hilfsgelder in Höhe von 5-6 Milliarden Dollar anwerben kann. Auch der Abbau von Kraftstoffsubventionen und eine weitere Währungsabwertung waren Grundvoraussetzungen für die Bewilligung, doch die Freigabe des Pfundes und die Kürzung der genannten Subventionen dauerten bis Anfang November an. Damit hat die Sicherstellung des Kredits zwar einige Zeit in Anspruch genommen, doch ist dies das erste Mal, dass Ägypten eine Einigung erzielen konnte: In den vergangenen fünf Jahren scheiterten bereits zwei Vereinbarungen mit dem IWF an mangelndem Reformwillen und der Angst vor sozialen Spannungen.

Angeschlagene Wirtschaft

Die ägyptische Wirtschaft ist seit den Ereignissen im Jahr 2011 ins Schlingern geraten. Seit Beginn des Arabischen Frühlings liegt das jährliche Wachstum bei durchschnittlich 2,7 % (2011-2016), während es zwischen 2000 und 2010 einen jährlichen Durchschnittswert von 5 % erreichte. Die ägyptische Wirtschaft leidet unter jahrelangen politischen Turbulenzen, sinkenden Einnahmen aus dem Tourismus (einer Schlüsselbranche und unentbehrlichen Deviseneinnahmequelle), Investitionsrückgängen und Devisenbeschränkungen. Des Weiteren wird das Wachstum vom schwierigen Geschäftsumfeld beeinträchtigt (Ägypten belegt im „Ease of Doing Business“-Index der Weltbank für 2017 Platz 122 von 190). Das niedrige Wachstum hat außerdem hohe Arbeitslosigkeit zur Folge, die 2015/2016 bei 14,5 % lag. Die Jugendarbeitslosigkeit wird auf das Dreifache geschätzt.

Die langfristigen Aussichten sind jedoch positiver. Ende 2015 wurde ein riesiges Gasfeld entdeckt, das die Reserven Omans laut EIA-Schätzungen übertrifft. Ägypten ist der größte Ölproduzent außerhalb der OPEC und der zweitgrößte Produzent von trockenem Erdgas in Afrika. Gleichzeitig ist das Land der größte Öl- und Gasverbraucher des Kontinents und seit 2012 Nettoimporteur von Brennstoffen. Wenn die Schätzungen des Energiekonzerns Eni zutreffen, wird das Feld Ägyptens Gasvorräte in Höhe von 65,2 Billionen Kubikfuß um nahezu die Hälfte erhöhen. Mit diesem Gas kann Ägypten seinen eigenen Energiebedarf decken und den Export wieder aufnehmen. Auch die vom IWF geforderten Reformen dürften für Wachstum und Arbeitsplätze sorgen und damit langfristig einen Positivtrend einläuten.

Unruhen mit überbewertetem Wechselkurs eingedämmt

Ägyptens Liquiditätslage hat sich seit 2011 dramatisch verschlechtert. Der Wechselkurs wurde auf einem überbewerteten Niveau gehalten, da Ägypten die Importpreise wichtiger Produkte wie Getreide und anderen Grundbedarfsgütern niedrig halten wollte. Mit dem niedrigen Preisniveau konnten Unruhen eingedämmt werden, da die Preise von Grundbedarfsgütern in der Vergangenheit ein maßgeblicher Auslöser öffentlicher Unzufriedenheit waren. In der Folge gingen die Währungsreserven um mehr als die Hälfte zurück: Während im Haushaltsjahr Juli 2009/Juni 2010 noch 5,8 Monatsimporte abgedeckt werden konnten, reichten die Reserven im Juni 2016 nur noch für 2,3 Monatsimporte.

Im April 2015 kamen die Golfstaaten dem Land mit Finanzhilfen in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar zu Hilfe, und im Sommer erfolgte eine weitere Zahlung in Höhe von 3 Milliarden Dollar. Des Weiteren schloss die ägyptische Regierung mit der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank sowie mit Saudi-Arabien und China Kreditverträge, mit denen die Wirtschaft und Liquidität gestärkt werden sollten. Diese Kredite und Hilfszahlungen erzielten jedoch nur eine vorübergehende Erhöhung der Währungsreserven, und da der Negativtrend unverändert anhielt, war eine Abwertung unumgänglich. Doch auch die Abwertung des Pfunds um 13 % im März 2016 schuf aufgrund des immer noch überbewerteten Währungskurses keine Abhilfe. Es bestand weiterhin eine gewaltige Kluft zwischen dem offiziellen Kurs (8,88 Pfund zum Dollar) und dem Schwarzmarktkurs (Höchstwert: 18,25 Pfund zum Dollar). Der überbewertete Wechselkurs in Kombination mit den niedrigen Währungsreserven führte zu einem allgemeinen Mangel an Gütern des täglichen Bedarfs wie etwa Zucker, Säuglingsmilch und Reis. Als die Proteste daraufhin eskalierten, beschlagnahmten die Behörden sogar Zuckervorräte von Erfrischungsgetränke- und Süßwarenherstellern, um sie in speziellen Geschäften für subventionierte Nahrungsmittel zu verkaufen. Außerdem wurden Rückstände von Zahlungen in harten Währungen gemeldet, da diese rationiert wurden. Die Überbewertung des Wechselkurses erzielte damit das Gegenteil der von der Regierung beabsichtigten Wirkung. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Drucks auf den Wechselkurs gab die ägyptische Zentralbank Anfang November die Freigabe der Währung bekannt, woraufhin das Pfund um etwa 50 % abstürzte. Dieser Schritt senkt den Druck auf die Währungsreserven. Gleichzeitig dürfte mit der Erhöhung der Importpreise die Inflation weiter ansteigen. Diese war im August 2016 aufgrund der Abwertung im März bereits auf 15,5 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen, was dem höchsten Wert seit 2009 entspricht. Die Freigabe des ägyptischen Pfunds dürfte die Inflation weiter in die Höhe treiben, was die bisherige Zurückhaltung der Zentralbank bezüglich dieser Maßnahme erklärt. Auch die geplanten Subventionskürzungen und Steuererhöhungen werden bis auf Weiteres für eine unverändert hohe Inflation sorgen. Der IWF erwartet für Juli 2016/Juni 2017 eine Inflationsrate von 16,5 %, doch dieser Wert könnte sich auch als noch höher erweisen.

Schocks zerrütten das Land

Seit 2008 besteht in Ägypten ein strukturelles Leistungsbilanzdefizit, das in den vergangenen Jahren auf ein hohes Niveau gestiegen ist. Obwohl Ägypten als Importland von den niedrigen Nahrungsmittel- und Ölpreisen der letzten Jahre hätte profitieren müssen, sind gleichzeitig die Exporteinnahmen zurückgegangen und die wichtigsten Deviseneinnahmequellen unter Druck geraten. Erstens sank der Tourismus 2016 auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren. Schon die Umbrüche von 2011 und 2013 hatten die Branche schwer getroffen, doch nach den Terroranschlägen gegen Touristen in den vergangenen zwei Jahren sorgten Sicherheitsbedenken für einen weiteren Rückgang. Ein zweiter Faktor ist eine erhebliche Abnahme von Überweisungen, der wichtigsten Quelle für Leistungsbilanzeinnahmen. Grund hierfür ist das schwächere BIP-Wachstum in den Golfstaaten, die in hohem Maße von Öl abhängig sind. Drittens sind die Einnahmen aus dem kürzlich erweiterten Suezkanal gesunken, da der Welthandel infolge des globalen Abschwungs zurückgeht.

Somit dürfte das Leistungsbilanzdefizit im Zeitraum Juli 2016/Juni 2017 über 50 % der Leistungsbilanzeinnahmen erreichen, was einen Rückgang gegenüber dem extremen Defizit von über 70 % im vergangenen Jahr darstellt. Hinzu kommt der Abwärtstrend offizieller Transfers – eine Folge der schwindenden Hilfsgelder aus den Golfstaaten. Auf der anderen Seite ist für die kommenden Jahre eine Reduzierung des Leistungsbilanzdefizits zu erwarten, da die Freigabe des überbewerteten ägyptischen Pfundes die Wettbewerbsfähigkeit stärken und damit den Export beleben dürfte. Auch die Tourismuseinnahmen dürften bei Nachlassen der Terrorangst wieder steigen, sofern die politische Stabilität bestehen bleibt. Die Überweisungen aus dem Ausland dürften sich mit dem erwarteten leichten Anstieg des Ölpreises in den kommenden Jahren ebenfalls erholen, und da inzwischen das IWF-Programm bewilligt wurde, kann Ägypten sein Leistungsbilanzdefizit künftig leichter finanzieren.

Da die kurzfristige Auslandsverschuldung im vergangenen Jahr auf über 25 % der Leistungsbilanzeinnahmen von 2015/16 angeschwollen ist, steht Ägypten nunmehr vor umfangreichen Tilgungszahlungen. Auch bei der Gesamtauslandsverschuldung ist insbesondere in den letzten zwei Jahren ein Anstieg aufgrund von bilateralen und multilateralen Krediten zu verzeichnen. In den kommenden Jahren dürfte die Verschuldung weiter zunehmen, da kürzlich ein IWF-Kredit gewährt wurde, während zusätzlich bilaterale Finanzierung sichergestellt werden konnte. Des Weiteren finalisiert Ägypten derzeit einen Verkauf von Eurobonds in Höhe von 3-5 Mrd. US-Dollar. Das bedeutet, dass Ägyptens nominale Auslandsverschuldung in den Jahren 2016/17 um 32 % auf über 180 % der Leistungsbilanzeinnahmen anschwellen dürfte, bis sie 2018/19 bei unter 200 % der Leistungsbilanzeinnahmen stagniert.

Schwache öffentliche Finanzlage

Ägyptens öffentliche Finanzlage ist ausgesprochen angespannt. Das Land leidet seit Jahren unter strukturellen Defiziten, und obwohl das Haushaltsdefizit seit dem Höchststand von 13,4 % des BIP im Zeitraum Juli 2012/Juni 2013 zurückgegangen ist, wird auch für Juli 2016/Juni 2017 ein hohes Defizit von 9,7 % des BIP erwartet. Ein bedeutender Teil des Budgets fließt in die Aufrechterhaltung teurer Nahrungsmittelsubventionen und einen aufgeblähten Beamtenapparat. Gleichzeitig müssen sehr hohe Zinszahlungen geleistet werden, während die Steuereinnahmen niedrig sind. Außerdem investiert die Regierung in riesige Bauprojekte wie den neuen Suezkanal und eine neue Stadt nahe Kairo. Die Freigabe des ägyptischen Pfundes dürfte die Haushaltsbilanz kurzfristig verschlechtern, da der Staat der Hauptimporteur von Nahrungsmitteln und Kraftstoff ist. Überdies wurde das Haushaltsdefizit mit der Anhäufung von Schulden finanziert, die für Juni 2016/Juli 2017 auf über 90 % des BIP geschätzt werden. Bisher wurden Ägyptens Staatsschulden vorwiegend vom inländischen Finanzsystem getragen, dem damit Kapazitäten für die Finanzierung des Privatsektors fehlten. In jüngerer Zeit kamen außerdem Finanzspritzen aus den Golfstaaten hinzu. Doch bereits jetzt sind ägyptische Banken dem öffentlichen Sektor in hohem Maße ausgesetzt und die Bereitschaft der Golfstaaten, weitere Unterstützung zu leisten, lässt nach. Folglich sind Reformen zur Senkung des Haushaltsdefizits unerlässlich. Ägypten hat bereits die Strompreise um 20-40 % und die Benzinpreise um 47 % erhöht, und beschloss, ab September 2016 einen Mehrwertsteuersatz von 13 % anzuwenden. Dennoch sind weitere Reformen notwendig. Die Haushaltskonsolidierung dürfte schmerzliche Maßnahmen und weitere Subventionskürzungen mit sich bringen, und damit die öffentliche Unzufrieden zusätzlich verschärfen.