Risikofaktoren und Ausblick

Die florierende Bergbauindustrie der Mongolei hat das Risikoprofil des Landes in der Vergangenheit positiv beeinflusst. Der zentralasiatische Staat verfügt über einige der weltweit größten Kupfer-, Kohle- und Goldvorkommen – beste Voraussetzungen also, um bei den kurzfristigen politischen Risiken ein dauerhaft niedriges Niveau zu halten. Experten gehen außerdem davon aus, dass die Mongolei nach der problemlosen Wiederwahl eines wirtschaftsfreundlichen Präsidenten im vergangenen Juni noch bis zum Jahr 2016 politisch stabil bleiben wird. Um das enorme Potential der Bergbauindustrie in einen dauerhaften Segen für das Land zu verwandeln, bedarf es jedoch einiger Anstrengungen. Mit ihren noch jungen Institutionen ist die Mongolei anfällig für Veränderungen in der Konjunktursteuerung und externe Schocks. Aufgrund der unvorhersehbaren makroökonomischen Entwicklungen haben sich die Risiken in den vergangenen zwei Jahren noch einmal deutlich erhöht. Trotz des robusten Wirtschaftswachstums, das sich künftig auf etwas niedrigerem Niveau fortsetzen soll, weisen die Leistungsbilanz und der Staatshaushalt deutliche Defizite auf.
Dieser Umstand ist vor allem auf ungünstige externe Entwicklungen zurückzuführen – wie etwa geringere Preise für Bergbauprodukte und die schwächere Rohstoffnachfrage Chinas – und unterstreicht die wachsende Abhängigkeit der Mongolei von ihren Bodenschätzen. Hinzu kam eine expansive Fiskalpolitik rund um die Präsidentschaftswahlen, welche die rapide steigende Staatsverschuldung weniger tragfähig machte. Neben einer merklich höheren Auslandsverschuldung haben rechtliche Unsicherheiten bezüglich eines wichtigen Investitionsgesetzes (Verabschiedung Ende 2013; eher vorteilhafte Ausgestaltung für Investoren) ausländische Direktinvestitionen im vergangenen Jahr deutlich reduziert. Diese Faktoren wiederum erhöhten den Druck auf die Zahlungsbilanz der Mongolei.

Der deutliche Rückgang der Währungsreserven, der auf einen schwächeren Export und geringere ausländische Direktinvestitionen zurückzuführen ist, hat negative Auswirkungen auf die externe Liquidität des Landes. Dies dagegen macht eine Herabstufung in der Kategorie „politische Risiken“ (2/7) in diesem Jahr wahrscheinlicher. Das Geschäftsrisiko der Mongolei, das sich in der höchsten Kategorie C befindet, wird durch den Abwärtsdruck auf die überbewertete mongolische Währung Togrog weiterhin negativ beeinflusst. Bis entsprechende Kursanpassungen durchgeführt, die gesamtwirtschaftliche Stabilität gewährleistet und institutionelle Reformen umgesetzt werden, ist also Vorsicht geboten.

Fakten & Kennzahlen

Pro

  • Immense Rohstoffvorkommen
  • Nähe zu zwei Wirtschaftsmächten mit China als Haupthandelspartner
  • Rohstoffpotential ist attraktiv für ausländische Direktinvestitionen
  • Insgesamt stabile politische Lage in einem demokratischen System

Kontra

  • Anfällig für externe Schocks (Rohstoffpreise und -nachfrage)
  • Junge Institutionen müssen mit Rohstoffsegen umgehen
  • Unstetige Wirtschaftspolitik
  • Steigende Konzentration von Reichtum, verbreitete Armut

Hauptexportgüter

  • Kohle (33,9% der gesamten Leistungsbilanzerlöse), Kupfer (14,9%), Erdöl (6%), Transportgüter (4,4%), Tourismus (3,8%), Gold (2,2%)

Einkommensklasse

  • Niedriges mittleres Einkommen

Pro-Kopf-Einkommen (USD)

  • 2.310

Bevölkerung

  • 2,8 Mio

Wahlsystem (Wahlen alle vier Jahre)

  • Präsidentenwahl: nächste Wahl im Jahr 2017
  • Parlamentswahlen: nächste Wahl im Jahr 2016

Premierminister

  • Norowyn Altanchujag

Staatsoberhaupt/Präsident

  • Tsachiagiin Elbegdordsch

Länderstudie

Regierung muss Herausforderungen des Wirtschaftsbooms bewältigen

Experten rechnen bis zu den nächsten Parlamentswahlen im Jahr 2016 mit politisch stabilen Verhältnissen in der Mongolei. Grund hierfür ist die 2013 erfolgte Wiederwahl des Präsidenten Tsachiagiin Elbegdordsch, dessen demokratische Partei (AN) seit 2012 über eine komfortable parlamentarische Mehrheit verfügt. Im vergangenen Juni konnte der Amtsinhaber in unproblematischen Wahlen sein Mandat um weitere vier Jahre verlängern. Elbegdordsch erhielt im ersten Wahlgang die knappe Mehrheit der Wählerstimmen. Für die Präsidentschaftspartei AN sind diese Wahlerfolge in einer der wenigen Demokratien Zentralasiens von großer Wichtigkeit.

Präsident Elbegdordsch hat sich dazu verpflichtet, den rechtlichen Rahmen für ausländische Direktinvestitionen und das Geschäftsumfeld zu verbessern, die Transparenz der öffentlichen Finanzen zu erhöhen und die noch jungen Institutionen der Mongolei zu stärken. Dem Kampf gegen die Korruption wird zwar kurzfristig eine hohe Aufmerksamkeit zuteil, doch in einer politischen Landschaft, die überwiegend von Parteipersönlichkeiten der AN dominiert wird, könnten die Bemühungen bald im Sande verlaufen.

Die aktuelle Situation könnte sich in der Tat nachteilig auf die Ziele der Anti-Korruptions-Kampagne auswirken, sollte der enorme Ressourcenreichtum der Mongolei hauptsächlich den politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes zugute kommen – eine Tatsache, die in rohstoffreichen Entwicklungsländern leider häufig zu beobachten ist.

Da die Regierungspartei AN unter innerparteilichen Grabenkämpfen leidet, wird es nicht einfach sein, eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu etablieren. In der Vergangenheit traten insbesondere anlässlich von Wahlen vereinzelte gewalttätige Unruhen auf, zuletzt in den Jahren 2008/2009. Seitdem blieb das Land stabil.

In dem ethnisch homogenen Staat äußern sich die Spannungen oft auf sozio-ökonomischer Ebene. Trotz des rasanten Wirtschaftswachstums ist die Stabilität der Mongolei vor allem durch folgende Faktoren gefährdet: hohe Armut, wachsende Ungleichheiten innerhalb der Bevölkerung, unzureichende Umverteilung der enormen Einnahmen aus dem Bergbausektor, fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten und mangelnder Umweltschutz.

Neues Investitionsgesetz wird begrüßt

Die Regierung wird bis 2016 danach beurteilt werden, wie sie mit dem Problem der Korruption und den oben genannten politischen Risiken umgeht. Dabei verfolgen ausländische Investoren genau, welche Maßnahmen die mongolische Regierung einleitet. Das Interesse der Investoren an den gigantischen Minen der Mongolei ist groß, und Investoren reagierten erleichtert, als das neue Investitionsgesetz im vergangenen Oktober vom Parlament verabschiedet wurde. Das Gesetz sorgt für klarere Verhältnisse und stellt ausländische mit heimischen Investoren gleich. Zugleich bestätigte es die investorenfreundliche Haltung von Präsident Elbegdordsch, der im Gegensatz zu Vertretern der Opposition nur moderat nationalistisch agiert. Dennoch bleiben einige kleinere Beschränkungen bestehen. So unterbindet das Investitionsgesetz ausländische Mehrheitsbeteiligungen in den strategischen Sektoren – höchstwahrscheinlich mit dem Ziel, einen allzu großen Zugriff Chinas auf die wichtigsten Bergwerke zu verhindern.

Darüber hinaus benötigen ausländische Staatsunternehmen ab einem gewissen Investitionsanteil in den Sektoren Bergbau, Bankwesen und Telekommunikation die Zustimmung einer staatlichen Investmentagentur. Obwohl die Beschränkungen in der Bergbauindustrie insgesamt deutlich zurückgefahren wurden, ist beim regulatorischen Umfeld für Investitionen noch immer Vorsicht geboten. Schließlich zeigt die Erfahrung, dass die Etablierung von Rechtsvorschriften mit Hindernissen verbunden sein kann und es vor allem in der Bergbauindustrie häufig den Versuch gibt, Verträge neu zu verhandeln.

Rosige Zukunft im Bergbau durch externe Abwärtsrisiken bedroht

Die Mongolei konnte in den vergangenen drei Jahren mit 13,9% die weltweit höchste durchschnittliche Wachstumsrate beim realen Bruttoinlandsprodukt verzeichnen. Auch in den kommenden Jahren soll die Wirtschaft weiter wachsen, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau (durchschnittlich 7,8% bis 2018).   Der Export von Bodenschätzen, zunehmend aber auch Bau- und Infrastrukturprojekte, welche die für den Bergbau nötige Transportinfrastruktur schaffen sollen, ist und bleiben der Schlüsselfaktoren. Die größten Lagerstätten befinden sich im Süden der Wüste Gobi: Tavan Tolgoi (Kohle) und Oyu Tolgoi (Kupfer und Gold), dessen Produktion im vergangenen Sommer startete. Die dortigen Rohstoffvorkommen sind enorm: Die beiden genannten Minen gehören zu den weltweit größten und die hier lagernden Bodenschätze werden erst in einigen Jahrzehnten vollständig erschöpft sein.

Mongolei_Graph1DE

Risiken bestehen in Verbindung mit der Nachfrage. Die Bergbauprodukte werden insbesondere nach China exportiert. Die Volksrepublik erhält 90% der Exporte, und ist damit der wichtigste Handelspartner und gleichzeitig größter Investor – auch wenn der Anteil hier geringer ist. Neben den Infrastrukturprojekten mit China und dem anderen großen Nachbarland Russland, versucht die Mongolei ihre Handels- und Wirtschaftsbeziehungen breiter zu fächern – zum Vorteil westlicher Konzerne. Das Ziel des Landes ist es, die wirtschaftliche Abhängigkeit von China zu reduzieren. Die Rohstoffnachfrage der Volksrepublik wird aufgrund der dort stattfindenden wirtschaftlichen Anpassungen voraussichtlich abnehmen. Zudem macht die hohe Abhängigkeit der Mongolei vom Export ihrer Bodenschätze – der rund 60% der Leistungsbilanzerlöse ausmacht – das Land anfälliger für die künftig zu erwartenden niedrigeren Weltmarktpreise. Dies wurde bereits 2012 und 2013 sichtbar, als sich der Wert der Exporte verringerte. Grund hierfür waren die rückläufigen Preise (vor allem für Kohle und Kupfer), die ihren Ursprung in der langsamer wachsenden globalen Wirtschaft hatten. Die Mongolei muss die Qualität ihrer politischen Institutionen künftig verbessern und noch stärker auf die Entwicklung von Sektoren setzen, die nicht mit der Bergbauindustrie des Landes zusammenhängen, wie etwa dem Tourismus. Da die Bedeutung des Exports von Bodenschätzen und der daraus resultierenden Einnahmen aufgrund der guten  Produktionsaussichten weiter zunehmen wird, ist das Land langfristig nicht immun gegen die sogenannte Holländische  Krankheit.

Mongolei_Graph2DE

Wirtschaftspolitik ausschlaggebend für eine erfolgreiche und stabile Entwicklung der Mongolei

Die großen Ressourcenvorkommen sind für die Mongolei Segen und Fluch zugleich. Die Frage, wie der Rohstoffreichtum des Landes optimal genutzt werden kann, stellt die Regierungsvertreter vor eine große Herausforderung. Wenn die Regierung das Land auf einen nachhaltigen Wachstumskurs bringen will, muss sie einige Faktoren, wie etwa die Überhitzung der Wirtschaft durch ein hohes Kreditwachstum, zweistellige Inflationsraten sowie die seit 2011 vorherrschende expansive Fiskalpolitik, in den Griff bekommen. Mittelfristig hat die Regierung bereits entsprechende Anpassungen der Haushaltspolitik zugesagt. Die komfortable parlamentarische Mehrheit der Regierungspartei gibt allen Grund zur Hoffnung, dass sie zum einen willens und zum anderen dazu in der Lage ist, die makroökonomische Stabilität wieder herzustellen.

Bisherige Regierungen zeigten sich in ihrer Wirtschaftspolitik jedoch nur wenig konsistent, es sei denn sie waren verpflichtenden Programmen des Internationalen Währungsfonds unterworfen. Das Risiko einer schlechten Regierungsführung mit daraus resultierenden Interessenskonflikten und dem Missbrauch von Einnahmen aus dem Bergbau darf daher nicht unterschätzt werden. Die langwierigen Vorgänge bei der Neuverhandlung des Vertrags mit Rio Tinto bezüglich der Lagerstätte Oyu Tolgoi und beim Investitionsgesetz verdeutlichen das.
Sollten die notwendigen Anpassungen weiter hinausgezögert werden, wären weitere überhöhte Staatsausgaben, ein höheres Defizit, ein deutlicher Anstieg des Auslands- und Staatsschuldenstands und mögliche negative Auswirkungen auf das langfristige BIP-Wachstum die Folge.

Frühere Wirtschaftsprognosen waren zu optimistisch und wurden erst kürzlich aufgrund schlechterer makroökonomischer Ergebnisse, fortdauernder Defizite in Haushalt und Leistungsbilanz, und einer Verschlechterung der Lage der öffentlicher Finanzen im Zuge der Wahlen 2012/2013 deutlich nach unten korrigiert.

Höhere ausländische Direktinvestitionen sollen Druck auf Leistungsbilanz verringern

Die Zahlungsbilanz hat sich nicht wie erwartet entwickelt; ein Überschuss in der Leistungsbilanz – vorhergesagt ab 2015 - wird nun nicht einmal mehr mittelfristig erwartet. Aufgrund hoher Importe, die für den Ausbau großer Bergbauprojekte benötigt wurden, und einer negativen Dienstleistungsbilanz wird erwartet, dass die Leistungsbilanz trotz steigender Exporte von Oyu Tolgoi im Defizit verharrt: Der Fehlbetrag wird sich nur allmählich von derzeit 30% des BIP auf 15% des BIP im Jahr 2018 verringern.

Mongolei_Graph3DE

Die Regierungsvertreter werden somit die Finanzierung sicherstellen müssen, um den Druck auf die Zahlungsbilanz auf einem erträglichen Niveau zu halten. Ausländischen Direktinvestitionen kommt daher eine große Bedeutung zu – schließlich unterstützen sie das Wirtschaftswachstum und entwickeln die für den Bergbau so wichtige Infrastruktur in einem Binnenstaat dieser Größe. Der abrupte Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen 2013 (–50% im Jahresvergleich) ist vor allem der andauernden Unsicherheit in Bezug auf das Investitionsgesetz geschuldet. Dieser Umstand wiederum führte zu Finanzierungslücken und einer höheren externen Kreditaufnahme. Die Situation verdeutlicht der mongolischen Regierung, wie wichtig es ist, das Geschäftsklima zu verbessern und die heimische Wirtschaft attraktiver für ausländische Direktinvestitionen zu machen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung war hierbei die Verabschiedung des Investitionsgesetzes,   denn die ausländischen Direktinvestitionen sind die wichtigste Quelle, um das Leistungsbilanzdefizit der Mongolei zu finanzieren. Das Vertrauen der Investoren hat zuletzt zwar wieder zugenommen, die vorsichtige Grundhaltung bleibt aber bestehen. In den vergangenen Jahren haben wechselnde politische Strategien und Eingriffe der Regierung zu mehreren Rechtsstreitigkeiten im Bergbausektor geführt (die größte bezog sich auf Oyu Tolgoi, bei der die Rio Tinto Unternehmensgruppe Miteigentümer ist) und so dem Ruf der Mongolei geschadet.

Stabilitätsgesetz soll expansive Ausgabenpolitik und den jüngsten Anstieg der Staatsverschuldung begrenzen

Die Staatsfinanzen der Mongolei geben ein gemischtes Bild ab. Positiv zu bewerten ist das seit kurzem funktionsfähige Stabilitätsgesetz (Fiscal Stability Law, FSL), das im Juni 2010 verabschiedet wurde. Es soll für ein verantwortungsvolles Haushalten und ein nachhaltiges Wirtschaften mit den Erlösen aus dem Export der Bodenschätze sorgen. Hierfür ist die Einrichtung eines Staatsfonds geplant. Ziel des FSL ist es, einen übermäßigen Anstieg der Ausgaben zu verhindern und das strukturelle Haushaltsdefizit in Grenzen (bei 2% des BIP) zu halten. Haushaltsüberschüsse sollen in einem Stabilitätsfonds angespart werden, der in Zeiten niedriger Rohstoffpreise als Reserve dienen kann.

Die Verpflichtung der Regierung zur Haushaltsdisziplin lässt erwarten, dass das Defizit im Staatshaushalt auf ein deutlich geringeres Niveau sinken wird. Dennoch schließt das Stabilitätsgesetz Vorgänge außerhalb des Budgets nicht ein. Diese sind im Jahr 2013 stark auf geschätzt 9% des BIP gewachsen und werden über die staatliche Entwicklungsbank (Development Bank of Mongolia, DBM), für die der Staat mit Haushaltsmitteln bürgt, abgewickelt. Hierdurch können die Regeln des Stabilitätsgesetzes umgangen werden, mit der Folge, dass hohe Eventualverbindlichkeiten den finanziellen Nutzen des Stabilitätsgesetzes wieder aufheben könnten.

Die prozyklische expansive Finanzpolitik der Regierung hat 2012/13 zu einer deutlichen Ausweitung des Haushaltsdefizits (in den zweistelligen Bereich) geführt. Diese negative Entwicklung wurde durch die Kosten der Umstrukturierung des Bankensektors (im Jahr 2010/11), durch Lohnerhöhungen für die Staatsbediensteten, den Anstieg der Sozialausgaben und zusätzliche Ausgaben im Vorfeld der Wahlen verstärkt.

Die Regierung hat sich verpflichtet, das Haushaltsdefizit ab 2016 auf ein deutlich niedrigeres Niveau im Bereich von 2% des BIP zurückzuführen. Da bis 2016 keine Wahlen anstehen, ist mit Ausgabenkürzungen zu rechnen. Doch in der Vergangenheit gab es immer wieder Rückschläge bei der Haushaltskonsolidierung. Diese stellt nach wie vor eine große Herausforderung für die Mongolei dar. Hohe Rohstofferlöse sowie der Abschluss neuer Rohstoffverträge bzw. die Vergabe von Lizenzen zu besseren Konditionen sind wichtige Bausteine um das Haushaltsziel zu erreichen.

Budgetüberschreitungen und insbesondere die erfolgreiche Platzierung einer gewichtigen internationalen Anleihe (in Höhe von 15% des BIP) durch die DBM zur Finanzierung großer Infrastrukturvorhaben haben dazu geführt, dass die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP von 38,8% im Jahr 2011 auf 67,3% im Jahr 2013 hoch geschossen ist und damit einen Neunjahresrekordwert erreichte. Wenn auch Prognosen davon ausgehen, dass die Staatsverschuldung bis 2018 auf 50% des BIP zurückgeführt werden dürfte, hat sich die Verschuldungslage des mongolischen Staats deutlich verschlechtert, so dass in Zukunft Schwierigkeiten bei der Leistung des Schuldendienstes auftreten könnten.

Über 75% der Staatsschulden sind in Auslandswährung aufgenommen. Hierdurch erhöht sich die Anfälligkeit der Wirtschaft für Abwertungen der nationalen Währung Togrog. Diese war in den vergangenen Jahren stark überbewertet. Seit einiger Zeit bewegt sie sich auf einem stetigen Abwertungstrend, wodurch sich der Inflationsdruck erhöht. Die Währung der Mongolei bewegt sich frei und hat seit 2011 stark abgewertet (gegenüber dem USD verlor sie ca. 30%), was in Verbindung zum wachsenden Defizit in der Leistungsbilanz steht.

Mongolei_Graph4DE

Bankensektor erholt, aber Risiken noch nicht gebannt

Der Bankensektor wurde heftig von der Finanzkrise 2008/09 getroffen. Inzwischen hat er sich jedoch mit Hilfe eines Rettungspakets und dank einer verbesserten Regulierung (ein neues Bankengesetz wurde 2010 verabschiedet) und Bankenaufsicht wieder erholt. Doch Risiken bleiben bestehen. Der Anteil der notleidenden

Kredite ist zwar gering (3,8% aller Kredite), doch die Kapitalunterlegung der Darlehen ist unzureichend. Angesichts des kräftigen Kreditwachstums seit 2010 (jährliches Wachstum von 43% im Jahresdurchschnitt 2010 bis 2012, Stabilisierung auf ein Plus von ca. 30% im Jahr 2013) und der Schwächung des Wirtschaftswachstums besteht die Gefahr, dass der Anteil notleidender Kredite steigt.

Hinzu kommt, dass die Kredite angesichts des schwachen Togrog Wechselkursrisiken ausgesetzt sind: 1/3 der Darlehen wurden in ausländischen Währungen – insbesondere in US-Dollar – aufgenommen. Auch das Risikomanagements, die Bankenaufsicht und die Einhaltung der aufgestellten Regeln sind verbesserungswürdig, wie es die Insolvenz der Savings Bank zeigte. Im vergangenen Juli musste die fünftgrößte Bank der Mongolei (8% des gesamten Bankkapitals) wegen Zahlungsunfähigkeit und Missmanagement verstaatlicht werden (da sie sich unter anderem nicht an festgelegte Kreditvergaberegeln gehalten hatte).

Steigende Auslandsverschuldungsquoten erfordern sorgfältiges Schuldenmanagement

In der Mongolei haben sich die finanziellen Risiken sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor spürbar erhöht. Die staatliche Auslandsverschuldung hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt und erreichte 2013 51,8% des BIP. Diese Verschuldungsquote dürfte in einem Umfeld kräftigen Wachstums langsam auf ein tragfähiges Niveau zurückgeführt werden. Die Regierung plant die lokale Finanzierung über Anleihen zu erhöhen und die zukünftige Emission von Auslandsanleihen im Vergleich zu 2012 zu verringern. Doch der Rohstoffzyklus und die Haushaltspolitik der Regierung werden wichtige Einflussfaktoren sein. Der Aufstieg der Mongolei zu einem Land mit mittlerem Einkommen hat die Schulden- und Kostenstruktur verändert. Das Land ist nun berechtigt, kommerzielle Kredite von der Weltbank und der Asian Development Bank aufzunehmen. Dies dürfte –wie bereits erkennbar – den Anteil der Kredite zu vorteilhafteren Konditionen an den gesamten Auslandsschulden verringern.

Besagter Anteil hatte sich bereits 2012 halbiert, was zum Teil auf den dramatischen Anstieg der privaten Verschuldung zurückzuführen ist (auf 85% des BIP), meist in Verbindung mit konzerninternen Krediten für Bergbauprojekte. Es wird erwartet, dass der Anteil der privaten Auslandsverschuldung in Höhe von 2/3 der gesamten Auslandsverschuldung mittelfristig weiter zunehmen wird, während der Anteil der staatlichen Auslandsverschuldung sinkt. Angesichts solch einschneidender Entwicklungen – die gesamten Auslandsschulden der Mongolei erreichten 2013 137% des BIP und 290% der Exporterlöse – ist die Tragfähigkeit der Auslandverschuldung zurückgegangen.  Eine ungünstige Entwicklung der Rohstoffpreise und/oder der chinesischen Nachfrage könnte die Verschuldungslage weiter belasten.

Bedienung der Schulden wird zur Herausforderung

Der jüngste Anstieg der Schuldenlast wird sich negativ auf die externe Zahlungsfähigkeit der Mongolei auswirken. In Zukunft wird die Mongolei einen deutlich höheren Schuldendienst (30% der Exporterlöse im Jahr 2013 und  44% im Jahr 2017) zu leisten haben, und es entstehen zusätzliche Kosten durch den steigenden Anteil kommerzieller Kredite. Hinzu kommt, dass der zu leistende Schuldendienst (des Staates sowie der Privatwirtschaft) durch den schwächeren Togrog, variable Zinsen und Probleme bei der Refinanzierung   erschwert werden könnte. Es könnte in Zukunft weniger Auslandskapital aus den entwickelten Ländern zur Verfügung stehen, da diese sich allmählich von der lockeren Geldpolitik verabschieden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Währungsreserven der Mongolei weiterhin drei Monatsimporte abdecken werden, doch es besteht ein Risiko, dass die offiziellen Währungsreserven 2015 und 2017 nicht für die Leistung des Schuldendienstes ausreichen werden. Mindereinnahmen führten 2013 zu einem starken Rückgang der Währungsreserven und dürften für eine Herabstufung der Bewertung des kurzfristigen politischen Risikos sorgen. Doch es wird erwartet, dass sich die Währungsreserven auf dem erreichten Niveau stabilisieren, bevor sie langfristig wieder langsam steigen werden.

Mongolei_Graph5DE

Länderrisikoanalyst: The Risk Management Team, r.cecchi@credendogroup.com