• Nachfrage nach Devisen kann erfüllt werden
  • Inflation und Fremdwährungsschulden stellen weiterhin eine Herausforderung dar

Ägypten hat sich unter dem Programm zur Erweiterten Fondsfazilität (EFF) gut entwickelt – das zeigt ein aktueller Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF). Durch die Entscheidung, den Wechselkurs des ägyptischen Pfundes im Rahmen des Programms frei schwanken zu lassen, korrigierte die Währung stark und verlor um die Hälfte an Wert gegenüber dem US-Dollar. Folglich reduzierte sich der Druck auf die Devisenreserven des Landes deutlich. Gegenüber Ende August 2016 konnten sich die Devisenreserven zu Ende April 2017 verdoppeln. Im September dieses Jahres gelang es Ägypten daraufhin, den Rückstand bei der Bedienung von Devisen abzubauen. Zentralbankbeamte bestätigten, dass neue Nachfragen nach Devisen derzeit ohne Verzögerung erfüllt würden. „Diese Entwicklung ist von enormer Bedeutung für Ägypten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass es seit dem Sturz seines ehemaligen Präsidenten Mubarak im Jahr 2011 unter einem eingeschränkten Zugang zu Devisenreserven gelitten hat“, so Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credendo. „Aufgrund des Anstiegs der Devisenreserven hat Credendo das kurzfristige politische Risiko bereits im Juni dieses Jahr aufgewertet.“ Ein weiteres Ziel des wirtschaftlichen Reformprogrammes ist die Stabilisierung der öffentlichen Schulden durch eine Neuregelung der Subventionen, die Einführung neuer Steuern und eine deutliche Haushaltskonsolidierung. Die bereits umgesetzte Kürzung der Subventionen führte beispielsweise dazu, dass die Diesel- und Benzinpreise sich um 53 Prozent erhöhten.

Inflation auf Höchststand

Trotzdem muss Ägypten auch weiterhin erhebliche Herausforderungen bewältigen: Zum einen hat sich die Inflation aufgrund der Freigabe des Wechselkurses und der Subventionskürzungen erheblich erhöht. Ende Juni dieses Jahres notierte sie mit 30 Prozent auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten, was vor allem die ägyptische Bevölkerung hart trifft. Zum anderen hat sich aufgrund der Währungsabwertung der Nominalwert sowohl der privaten als auch der öffentlichen Fremdwährungsschulden erhöht. „Die Zentralbank hat zwar bereits den Zinssatz erhöht, um der Inflation entgegenzuwirken. Trotzdem setzen beide Faktoren das Geschäftsrisiko Ägyptens weiter unter Druck“, sagt Witte. „Credendo stuft das Risiko in diesem Bereich aktuell auf C, was dem höchstmöglichen Risiko entspricht.“ Prognosen zufolge sollen sich die öffentlichen Schulden von rund 98 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im laufenden Geschäftsjahr auf 81 Prozent im Geschäftsjahr 2020 reduzieren. Grund dafür ist die geplante Konsolidierung. „Es ist dringend notwendig, dass Ägypten den Schuldenabbau weiter vorantreibt, sodass die Schulden tragbar bleiben. Das Land sollte seine Reformbestrebungen also unbedingt fortsetzen“, so Witte. Das Programm zur Erweiterten Fondsfazilität wurde im November 2016 eingeführt, um eine zu diesem Zeitpunkt drohende Zahlungsbilanzkrise zu umgehen, und besteht aus einem Darlehen in Höhe von zwölf Milliarden US-Dollar. „In den vergangenen sechs Jahren hat der IWF zwei weitere Programme für Ägypten vorbereitet. Diese wurden jedoch nie umgesetzt“, sagt Witte. „Von daher ist es ein sehr positives Zeichen, dass das aktuelle Programm auf Kurs bleibt und erfolgreich umgesetzt wird.“

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